Sozialverantwortung im Tourismus
Die gesellschaftlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit im Tourismus wurden schon in den achtziger Jahren von Nichtregierungsorganisationen thematisiert. Doch es dauerte einige Zeit, bis sie auch im UN-System eine Rolle spielten. Auf einer Tagung der Ecumenical Coalition on Third World Tourism (ECTWT, heute: ECOT) im Mai 1990 in Chiang Mai/Thailand wurden Untersuchungsergebnisse aus den Philippinen, Taiwan, Sri Lanka und Thailand vorgestellt, die einen direkten Zusammenhang zwischen der zunehmenden Kinderprostitution und dem Tourismus aufzeigten. Daraufhin wurde die internationale ECPAT-Kampagne „End Child Prostitution, Child Pornography and the Trafficking of the Children for Sexual Purposes“ gegründet. ECPAT arbeitet mit der Welttourismusorganisation (UNWTO), dem Kinderhilfswerk UNICEF, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und anderen Organisationen zusammen. Die Kampagne setzt sich für konkrete politische und entwicklungspolitische Maßnahmen gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern ein, für eine effektivere Strafverfolgung der Täter sowie für Rehabilitationsmaßnahmen für die geschädigten Kinder.
Nicht zuletzt durch das gemeinsame Engagement gegen die Ausbeutung von Kindern wurde die UNWTO für die Anliegen der Tourismuskritik zunehmend aufgeschlossener. So verpflichteten sich 1997 Weltspitzenvertreter von Regierungen und Tourismusindustrie in der „Manila-Erklärung über die sozialen Auswirkungen des Tourismus“ auf die Formulierung eines „Global Code of Ethics for Tourism“ hinzuarbeiten, der 1999 angenommen wurde.
Gerechtigkeits- und Verteilungsaspekte im Tourismus kommen im Übereinkommen über Biologische Vielfalt ansatzweise zum Tragen. Das Übereinkommen will die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt (z. B. durch Tourismus) fördern und zielt in diesem Zusammenhang auf eine gerechte Aufteilung der sich aus dieser Nutzung ergebenden Vorteile ab. Dass Tourismus den Armen zugute kommen soll, wollen die UNWTO und die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) mit ihren Ansätzen zur „Armutsbekämpfung durch Tourismus“ erreichen.